Wie in Bremens Neustadt eine "klimafreundliche Nachbarschaft" entsteht

Eine Frau mit einer Gartenschere in der Hand beseitigt Unkraut.
Im Gemeinschaftsgarten "Lucie" in der Bremer Neustadt betätigen sich Anwohnerinnen und Anwohner als Gärtner. Bild: Radio Bremen | Alexander Schnackenburg

Bremen setzt bei seinem "Aktionsplan Klimaschutz 2.0" auch auf Hilfe aus den Quartieren. Wie das funktionieren kann, zeigt ein Nachbarschaftsprojekt in der Neustadt.

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Ein verräterischer Duft schlägt dem Besucher der "KlimaWerkStadt" in Bremens Neustadt entgegen: jener von frisch gesägtem oder geschliffenem Holz. Hier, in der Weserstraße 58, ist ein Projekt zu Hause, das Jorinde Bartels, Referentin für das Förderprogramm "Klimaschutz im Alltag", als "Leuchtturmprojekt“ bezeichnet. "Es erreicht sehr viele, ganz unterschiedliche Menschen, die hier bestens vernetzt werden – und das über den Stadtteil hinaus", erklärt sie ihre Begeisterung.

Die Rede ist von dem Projekt "Reparieren, gärtnern, vernetzen: Gemeinsam für eine klimafreundliche Nachbarschaft" des Vereins "Kulturpflanzen". Es ist eines von insgesamt 13 Vorhaben, die das Land Bremen im Rahmen von Klimaschutz im Alltag in den Jahren 2025 bis 2028 jeweils mit kleinen sechsstelligen Beträgen fördert. Für die klimafreundliche Nachbarschaft der "Kulturpflanzen" schüttet das Ressort knapp 204.000 Euro aus – gut angelegtes Geld, findet Bartels.

"Hilfe zur Selbsthilfe"

Marie Hornbach mit Gehörschutz an einer Maschine
Marie Hornbach kümmert sich unter anderem um die Holzwerkstatt der KlimaWerkStadt. Bild: Radio Bremen | Alexander Schnackenburg

Der Verein nutzt das Geld insbesondere, um zwei Teilzeitkräfte zu bezahlen, die die Fäden in der "KlimaWerkStadt" zusammenhalten. Dabei handelt es sich um eine Initiative, die Umweltbildung mit praktischen Vorhaben zum Klimaschutz vereint. Eine der beiden aus den Fördermitteln bezahlten Mitarbeiterinnen in der "KlimaWerkStadt" ist Marie Hornbach. Sie betreut zugleich den benachbarten Gemeinschaftsgarten Lucie sowie die Textil- und Holzwerkstatt – von der jener markante Geruch ausgeht. Die simple Idee hinter den Werkstätten beschreibt Hornbach mit den Worten "Hilfe zur Selbsthilfe".

Mit der Holz- und Textilwerkstatt stellen die "Kulturpflanzen" den Menschen im Quartier professionell ausgestattete Räume zur Verfügung, damit sie hier gemeinsam tüfteln, basteln und Gegenstände reparieren können – anstatt sie wegzuwerfen und ständig Neues einzukaufen. Der bewusste Umgang mit den Ressourcen steht im Fokus.

80 ehrenamtliche Helfer bringen sich ein

Der Materialfundus beim "Garten für alle"
Der Materialfundus der Holz- und Textilwerkstatt in der KlimaWerkStadt setzt sich überwiegend aus Spenden zusammen. Bild: Radio Bremen | Alexander Schnackenburg

Zugleich geht es um Vernetzung: Regelmäßige Öffnungszeiten sowohl für die Holz- als auch für die Textilwerkstatt, das Repair Café und eine Gebrauchtwarensammlung tragen maßgeblich dazu bei, dass sich die Gäste immer besser kennenlernen. "Inzwischen bringen sich rund 80 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer regelmäßig bei uns ein", sagt Hornbach.

Einige von ihnen seien gute Handwerker, die den anderen etwas beibrächten oder sie zumindest bei Reparaturen unterstützten. Andere beglücken die Werkstatt immer wieder mit großzügigen Spenden. Nahezu der gesamte Fundus der Werkstatt aus Werkzeug, Werkstoffen und diversem Baumaterial setzt sich aus Spenden zusammen. "Hier ist über die Jahre etwas Besonderes gewachsen", sagt Hornbach dazu. Dank der Förderung sei es den "Kulturpflanzen" nun möglich, die Projekte der "KulturWerkStadt" weiter zu pflegen – und womöglich noch weiter auszubauen.

Am Anfang war Lucie

Eingangsschild an einem Baum: Garten für alle
Lucie ist "Ein Garten für alle" – mitten in der Bremer Neustadt. Bevor es Lucie gab, fand sich an gleicher Stelle eine Wüste aus Asphalt. Bild: Radio Bremen | Alexander Schnackenburg

An Erfahrung darin, wie man aus einer guten Idee nach und nach noch mehr machen kann, mangelt es den "Kulturpflanzen" nicht. So ist ihre "KulturWerkStadt" letztlich aus einem gemeinsamen Garten hervorgegangen: aus Lucie. Der Verein entwickelte diesen "Garten für alle" ab 2013 nach und nach auf der einstigen Beton-Wüste des Neustädter Lucie-Flechtmann-Platzes. Seither bauen die "Kulturpflanzen" Lucie stetig weiter aus, entsiegeln immer neue Flächen. Die Idee dahinter: ein wenig Natur inmitten der Stadt. "Die Lucie lädt Menschen ein umzudenken, selbst aktiv zu werden und sich für eine nachhaltige und zukunftsfähige Stadtentwicklung einzusetzen", schreibt der Verein dazu auf der Website der Lucie.

Demnächst werden die "Kulturpflanzen" Lucie um einen Picopark erweitern. Als Picoparks bezeichnet man kleine, naturnahe Parks mit heimischen Pflanzen inmitten einer Stadt. Sowohl der Bund als auch das Land Bremen werden das Projekt finanziell unterstützen, kündigt Mareike Meyer aus dem Bremer Umweltressort an.

Video

Neuer Aktionsplan bündelt Maßnahmen zum Erreichen der Bremer Klimaziele

Bild: Radio Bremen
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Quelle: buten un binnen.

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 7. Juli 2025, 19:30 Uhr