Was kostet die Teilnahme am Freimarkt? 2 Schausteller geben Einblicke

Zu sehen ist der Wagen eines Autoscooters und Menschen, die auf Bierbänken sitzen.
Für die Schaustellerinnen und Schausteller fallen auf dem Freimarkt viele unterschiedliche Kosten an. Bild: dpa | Dieter Sell

Die Schausteller kritisieren vor allem den Anstieg der Standgebühren. Die steigenden Kosten wollen Bettina Robrahn-Böker und Rudolf Robrahn nicht vollends an die Kunden weitergeben.

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Wer über ein Volksfest schlendert, wundert sich oftmals über die hohen Preise, die an den Fahrgeschäften und den Gastronomie-Ständen mittlerweile aufgerufen werden. Kaum einer weiß jedoch, mit welchen Kosten die Schaustellerinnen und Schausteller konfrontiert sind.

Vor Beginn des Freimarkts gewähren Bettina Robrahn-Böker, Betreiberin des Autoscooters "Top In", und ihr Cousin Rudolf Robrahn, der die "Elchbar" betreibt, einige Einblicke. Robrahn ist der erste Vorsitzende des Schaustellverbandes des Landes Bremen.

Was der Autoscooter "Top In" kostet

Bettina Robrahn-Böker verweist vor allem auf die Standgebühren in diesem Jahr. Diese seien von zuvor etwa 7.000 Euro auf rund 17.000 Euro für ihr Geschäft angestiegen. Nachdem der Senat die Änderung der Gebührenordnung mit rot-rot-grüner Mehrheit beschlossen hatte, wurde diese im Januar von der Stadtbürgerschaft mit Verweis auf die Inflation und gestiegene Kosten gebilligt.

Wie Robrahn-Böker erläutert, müssen die Schausteller neben den Standgebühren auch Werbungskosten zahlen. Von diesen werde unter anderem das Feuerwerk bezahlt.

Personal und Security-Dienste müssen bezahlt werden

Ein wichtiger Faktor sind laut Robrahn-Böker auch die Personalkosten. "Für den Mindestlohn arbeitet heute niemand mehr", erzählt sie aus ihren Erfahrungen. Zeitgleich sind am Autoscooter immer sechs bis acht Arbeitskräfte tätig, die sich um die Kasse und die Fahrbahn kümmern.

Aufgrund von Sicherheitsauflagen müssten darüber hinaus von donnerstags bis samstags ab 17 Uhr jeweils zwei bis drei Security-Kräfte beschäftigt werden. Allein dadurch würden für sie Extra-Kosten in Höhe von 6.000 bis 7.000 Euro entstehen.

Kosten für Reparaturen, Instandhaltung und Neuanschaffungen

Bettina Robrahn-Böker steht vor dem Autoscooter "Top In".
Bettina Robrahn-Böker betreibt den Autoscooter "Top In". Bild: Privat

Regelmäßig fallen außerdem Kosten für Reparaturen und die Instandhaltung an. So wurde in diesem Jahr ein neues Dach für den "Top In" angeschafft. Nach mehreren Jahren müssen zudem stets die 28 Wagen erneuert werden. Hier kalkuliert Robrahn-Böker mit rund 7.000 Euro pro Wagen. Auch die drei Zugmaschinen und zwei Personalwagen, so Robrahn-Böker, müssen ebenfalls unterhalten werden.

Die Kosten für das Betreiben des Autoscooters haben sich laut ihrer Einschätzung seit Beginn der Corona-Pandemie um 40 bis 50 Prozent erhöht. Vor allem durch die Inflation, steigende Energiekosten seit dem Beginn des Krieges in der Ukraine und dem gestiegenen Mindestlohn.

Bezahlt werden müssen auch die Schwertransporte, die nötig sind, um zu den Veranstaltungsorten zu gelangen.

Robrahn-Böker: "Wollen, dass ein Volksfest bezahlbar bleibt"

Wenngleich die Kosten in den vergangenen Jahren enorm angestiegen seien, möchte Robrahn-Böker darauf verzichten, auch die Preise im gleichen Maß zu erhöhen.

Wir wollen, dass ein Volksfest für die Besucherinnen und Besucher bezahlbar bleibt. Am Freimarkt sollen alle teilnehmen können. Nicht nur die, die es noch bezahlen können. Da sind wir uns unserer Verantwortung sehr bewusst. Das heißt, dass wir die Preissteigerungen nicht ansatzweise 1:1 weitergeben können.

Bettina Robahn-Böker, Betreiberin des Autoscooters "Top In"

Der Preis für einen Chip, mit dem zwei Personen in einem Wagen fahren können, steigt in diesem Jahr von 3,50 auf vier Euro an. Unverändert sollen laut Robahn-Böker die Angebote bleiben. So liegt der Preis für drei Chips bei zehn Euro und für acht Chips bei 20 Euro.

Ein Blick in die Kosten der "Elchbar"

Für Rudolf Robrahn ist die Erhöhung der Standgebühren ebenfalls ein enormer Kostenfaktor in diesem Jahr. Er spricht gar von einer Steigerung um das 3,5-fache – und befürchtet harsche Auswirkungen auf den Freimarkt in den kommenden Jahren, sofern die Standgebühren nicht rasch wieder reduziert werden.

Wenn die Gebührenordnung so bleibt, wird der Freimarkt in kürzester Zeit nur noch ein provinzielles Schützenfest sein.

Rudolf Robrahn, Betreiber der "Elchbar"

Auf dem Oldenburger Kramermarkt war der Strom günstiger

Ein großer Faktor sind die Personalkosten. "Auch wir müssen über den Mindestlohn deutlich hinausgehen. Ich bin aber auch gerne bereit, für gute Arbeitskräfte mehr zu bezahlen", sagt Robrahn. In den Hochzeiten am Wochenende würden acht bis zehn Personen gleichzeitig in der Elchbar arbeiten. Darüber hinaus kümmern sich zwei Personen um den Nachschub an Bierfässern und das Pfand.

Das Foto zeigt Rudolf Robrahn.
Rudolf Robrahn betreibt die "Elchbar". Bild: privat

Bezüglich der Energiekosten kalkuliert Robrahn für den Zeitraum des Freimarkts mit 3.000 bis 3.500 Euro. Diesbezüglich verweist er darauf, dass zuletzt in Oldenburg auf dem Kramermarkt der Strompreis aufgrund einer Kooperation mit der EWE brutto bei 27,5 Cent pro Kilowattstunde gelegen habe. Auf dem Freimarkt müssen pro Kilowattstunde Strom nun 32 Cent plus Mehrwertsteuer gezahlt werden. "In Bremen sind wir bundesweit am teuersten", sagt er mit Blick auf die Stromkosten.

Neue "Elchbar" so teuer "wie eine schöne Eigentumswohnung"

Auch bei der "Elchbar" ist eine regelmäßige Instandhaltung nötig. Beispielsweise, erläutert Robrahn, durch die Holzarbeiten im Sommer. Im Sommer 2019 hat er eine komplett neue "Elchbar" angeschafft. "Für diese Kosten", so Robrahn, "können Sie sich auch eine schöne Eigentumswohnung kaufen."

Wie Robrahn-Böker verweist er auch auf einen Anstieg der Kosten um 40 bis 50 Prozent seit Beginn der Corona-Pandemie. Hinzu käme dieses Mal noch die Erhöhung der Standgebühren auf dem Freimarkt. "Wir wollen unsere Preise volkstümlich gestalten. Es soll eine Veranstaltung für alle bleiben", sagt Robrahn. Der Preis für 0,25 Liter Bier liegt in der "Elchbar" in diesem Jahr bei 3,50 Euro.

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Neue Attraktionen und höhere Preise beim Bremer Freimarkt

Bild: Radio Bremen
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Quelle: buten un binnen.

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 17. Oktober 2025, 19:30 Uhr